Gedanken zur Reutlinger Verkehrspolitik

VerkehrGerne wird in Kommunalwahlkämpfen immer über Verkehrspolitik gesprochen. Und leider habe ich den Eindruck, dass gerne nach der Wahl das Thema wieder schnell in der Mottenkiste verschwindet. Darf es aber wirklich nicht!

Regionalstadtbahn: Auch wenn ich den Eindruck gewinne, dass Teile der CDU den Ausstieg suchen, besteht endlich die Möglichkeit, dass Projekt wirklich umzusetzen und damit eine Dynamik zu entfachen, die nicht mehr aufzuhalten ist. Wer es nicht glaubt, sollte sich mal Karlsruhe, Stuttgart oder Heilbronn anschauen.

Fahrradfreundlichkeit: Als fast täglicher Fahrradnutzer in Reutlingen erlebe ich täglich: es muss sich etwas bewegen. Reutlingen ist die heimliche E-Bike-Hauptstadt, ohne dass wir darüber reden. Hier sitzt das Kompetenzzentrum Leistungselektronik von Bosch, hier werden die meisten Elektroantriebe für Fahrräder in Europa hergestellt. Und Reutlingen? Glänzt durch viele Lücken in Fahrradwegen, nicht durchdachte Konzepte. Das Erbe der autogerechten Stadt drückt gewaltig. Nötig ist ein dauerhaftes Hochfahren der Investitionen in Radwege und neue Ideen zu verwirklichen – vielleicht einfach der Schnellradweg auf der alten Schienentrasse von Pfullingen bis Betzingen?

Verkehrslenkung: Auch wenn die Kollegen der Reutlinger Grünen in ihrer unnachahmlichen Art versuchen, Themen dadurch kaputt zu machen, dass sie einen pubertären Tonfall an den Tag lesen, haben sie den Finger natürlich in eine offene Wunde gelegt. Auch mir ist noch nicht klar, wie die Stadtverwaltung das längst versprochene (und auch von uns mehrfach angemahnte) Verkehrskonzept für die Oststadt umsetzen will. Nachdem es endlich gelungen ist, für Sondelfingen eine gute Verkehrsperspektive aufzubauen, heißt es jetzt, auch in der Oststadt in die Puschen zu kommen. Und dann in Orschel-Hagen gleich weitermachen.

Also, Verkehrsplanung ist weit mehr als ein Wahlkampfthema. Bleiben wir dran!

Es grüßt

Sebastian Weigle

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2 Gedanken zu „Gedanken zur Reutlinger Verkehrspolitik

  1. Diesen Beitrag kann ich nur unterstreichen. Mir ist völlig unverständlich, wie sich eine Kommune, die sich selbst als Großstadt versteht, eine dermaßen verschlafene Politik leisten kann. Alle drei von Dir angesprochenen Punkte haben gemeinsam, dass der Handlungsbedarf eigentlich unstrittig ist – allein die Taten lassen scheinbar bis zum St. Nimmerleinstag auf sich warten. Mir fällt übrigens noch eine weitere Baustelle ein. Wieso ist die Stadt Reutlingen nicht in der Lage, den Ausbau von Car-Sharing Konzepten zu fördern? Dieses Wochenende erst war im Wirtschaftsteil der SZ ein Bericht über 30 prozentige Wachstumsraten bei Carsharing Anbietern, die auf einen grundlegenden Mobilitätswandel in unserer Gesellschaft zurückgeführt werden. Diese Erkenntnis scheint in Reutlingen noch nicht angekommen zu sein – bei der Bereitstellung von Parkplätzen für Car-Sharing Angebote wird argumentiert, die Stadt dürfe aus rechtlichen Gründen keinen Parkraum an die entsprechenden Anbieter vergeben. Oder wie steht es um die absurden Ampeltaktungen, die Fußgänger regelmäßig und vielerorts auf Verkehrsinseln in der Mitte mehrspuriger Straßen zum Warten zwingen? Hier wird argumentiert, das wäre halt sehr kompliziert, hier eine optimale Koordination mit dem Autoverkehrsfluss zu gewährleisten. Man fragt sich aber schon, wieso das kein Problem in Städten zu sein scheint, die dann doch noch mal komplexere Verkehrssituationen haben als Reutlingen.
    Da hat man also einen sündhaft teuren Verwaltungsapparat voller Bürokraten, Beamten, Verwaltungsfachleuten etc. und die sind alle nicht in der Lage, sich Lösungen für ein simple Probleme einfallen zu lassen? Da fragt man sich schon ob die nicht können oder nicht wollen. Du sagst, das Erbe der autogerechten Stadt drücke gewaltig – ich vermute, die autogerechte Stadt ist nicht nur ein Erbe in Asphaltform sondern eine Vorstellung, die in einigen Köpfen noch allzu präsent ist. In Schwaben fährt man halt Auto und zwar am besten Daimler, ist ja klar und hört man nach wie vor überall. Dass Daimler selbst sich mittlerweile als „Mobilitätsdienstleister“ neu erfindet, weil eben diese veraltete liberalkonservative Ideologie vom motorisierten Individualverkehr in Europa dabei ist wirtschaftlich vor die Wand zu fahren, haben die Manager dort mittlerweile begriffen, bei einigen rückwartsgewandten Autoschwaben scheint das noch nicht so ganz angekommen zu sein.
    Übrigens, eine kleine penible Anmerkung zu Deinem Text habe ich noch: Die Kommunikationsform der Grünen mag ärgerlich sein, vielleicht überzogen, extravagant, problematisch, albern oder was auch immer. Die Bezeichnung „pubertär“ finde ich in so einem Rahmen nicht angebracht. Damit stellst Du dich selber auf eine höhere Ebene vermeintlich überlegener geistiger Reife, von der herab du andere als unreif disqualifizierst. So eine Grundhaltung legt eine gewisse Hybris an den Tag, die in der politischen Kommunikation kontraproduktiv ist.

  2. Hallo Boris,
    danke für deinen ausführlichen Kommentar, der meine Haltung an einigen Stellen ja noch einmal unterstreicht. Zu den Grünen: ich bleibe dabei. Allerdings hoffe ich, dass die neue Fraktion im Gemeinderat einen anderen Weg geht. Dann werde ich auch so frei sein und von meinem hohen Ross herunterkommen 😉
    Es grüßt dich
    Sebastian

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